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Neues aus Hohenastheim

Wo liegt denn Hohenastheim?

Überall dort, wo aus einem Bembel "Hohenastheimer" ausgeschenkt wird: Apfelwein, gekeltert aus Äpfeln, die auf einer Streuobstwiese an eben jenem hohen Aste reiften.

Bembel

Man lese bei Ludwig Uhland nach:

Bei einem Wirte, wundermild;
da war ich jüngst zu Gaste;
ein goldner Apfel war sein Schild
an einem hohen Aste.

Es war der gute Apfelbaum,
bei dem ich eingekehret;
mit süßer Kost und frischem Schaum
hat er mich wohl genähret.

Es kamen in sein grünes Haus
viel leichtbeschwingte Gäste;
sie sprangen frei und hielten Schmaus
und sangen auf das Beste.

Ich fand ein Bett zu süßer Ruh
auf weichen, grünen Matten;
der Wirt, er deckte selbst mich zu
mit seinem kühlen Schatten.

Nun fragt' ich nach der Schuldigkeit,
da schüttelt' er den Wipfel.
Gesegnet sei er allezeit
von der Wurzel bis zum Gipfel!

Dem ist voll zuzustimmen! (Den ersten beiden Zeilen des letzten Verses aus Sicht eines Gastwirtes natürlich mit gewissen Einschränkungen.)

Apfelwein ist eine eigenständige Kultur; der Wein aus Trauben eine andere!

Versucht "der Apfelwein" "den Wein" nachzuahmen, ist das ungefähr so, als trüge man auf dem Münchner Oktoberfest zur Lederhose ein Smokingjackett mit Fliege.

Auf die derzeitigen Bemühungen das Stöffche zu "adeln", indem man es sortenrein* oder als Jahrgangsapfelwein** anbietet, oder es aufzupeppen versucht, wie z. B. durch Zusatz von Fruchtextrakten (oder gar mit Cola), wird man in einigen Jahren bestimmt zurückblicken, wie heute auf die Mode, die Haartracht und die Innenstadtarchitektur der 1970er Jahre.

Zum Apfelwein gehört:

  1. die Vielfalt der Apfelsorten von Streuobstwiesen, denn nur diese garantiert dem zu vergärendem Most den ausgewogenen Fruchtzucker und -säuregehalt, der den Geschmack des Apfelweins ausmacht.


  2. das Apfelwein-Dreigestirn: Bembel, Geripptes ( 0,3l), und Schoppedeckel.


  3. dass, wenn dem Ebbelwoi schon was hinzugefügt werden sollte, es höchstens Sprudel sein darf. (Schon fragwürdig, doch gerade noch tolerierbar ist helle Limonade).


  4. die Heilwirkung des Heißen Apfelweins bei Erkältungsbeschwerden. (Da Medizin, darf natürlich, je nach Gusto, etwas Zimtrinde, Nelke und Zucker dazu.)


  5. eine bodenständige Küche, die deftige Speisen anbietet. Das muss nicht nur Handkäs' sein.



* Natürlich kann z.B. aus reinem Goldparmänensaft auch Apfelwein machen, doch dass das mit einem durchschnittlichem Gehalt von 5 - 10 g/l an titrierbarer Säure und 9 - 13 % Refraktometerwert Fruchtzucker dieser Apfelsorte was Vollmundiges geben soll, wie neulich in einer Regionalzeitung zu lesen, ist eigentlich nicht vorstellbar.

** Apfelwein reift im Laufe des Jahres im Fass von Neuen Hellen zum Alten. Und eine alte " Apfelweinweisheit" sagt, dass der Apfelwein seinen Geburtstag nicht mehr erleben soll!


apfelweinwirte.de